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Die Freiheit des Schreibens

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Fand ich ganz schön und treffend, was Marcel da geschrieben hat:

Früher war alles besser. Als wir noch auf unseren Tripod-Seiten herum gegurkt und mit Word Webseiten gebastelt haben, da war das Internet noch kein Haifischbecken voller Datenschutz-Junkies, Kinderporno-Wichsern und Pseudo-Millionären, sondern ein digitales Plätzchen, an dem man einfach sein wollte. Eine unbekannte neue Welt mitsamt ihrer Tücken und Freuden. Und das Beste daran war: Wir konnten noch schreiben, was auch immer uns auf dem Herzen lag.

Das Pressen von freien Gedanken in persönliche Texte, war für uns noch vor dem Millenium der einzige Grund mit dem öffentlichen Schreiben anzufangen. Man hatte seinen eigenen kleinen Webspace, auf dem man sich über seine Erlebnisse, den Liebeskummer, die Freunde, die Feinde, das Hier und das Jetzt auslassen konnte. Und zwar ohne Angst haben zu müssen, wer einen da liest. Denn die verwurstelte Domain voller Buchstaben und Zahlen kannten nur ausgewählte Personen.

Heutzutage wird es immer schwerer, sich mentale Erleichterung im Netz zu verschaffen. Der Kopf platzt voller Freude, Hass, Trauer oder Liebe und dennoch fällt es uns zunehmend schwerer, die Gefühle auf digitales Papier zu bannen. Der Chef liest mit, die Datenkrake keucht, das Publikum lacht. Die Pädophilen lechzen, die Eltern versinken, die Freunde pochen. Wo ist nur unsere Freiheit hin?

Immer mehr Blogger schließen ihre kleine Welt, aus Angst gelesen zu werden. Von den falschen Leuten. Denn die Panikmachen, Aufklärungs-Kampagnen und injizierte Furcht zeigt Wirkung. Es ist traurig zu sehen, wie sich das Netz verändert hat und wie vermeintlich selbstzerstörend es sein kann, hier ein freier Mensch mit Gefühlen, Hoffnungen und Verletzungen zu sein. Denn irgendwann, so heißt es, kann alles gegen euch verwendet werden.

Wie offen und frei lebt ihr noch im Netz und auf euren Blogs? Wie persönlich gebt ihr euch in euren Texten und auf Fotos? Und findet ihr es schlimm, dass sich immer mehr Menschen ins Schweigen zurück ziehen, anstatt sich durch leidenschaftliche, einnehmende und womöglich verletzende Werke den Schmerz und die Liebe von der Seele schreiben? Der Mut zur eigenen Persönlichkeit ist in Gefahr, die Frage ist nur: Wird ihn überhaupt jemand vermissen?

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  1. Andreas

    2,5 Jahre später… und täuscht es, dass es extremer wurde. Immer weniger Gedanken. Persönliche Texte. Alles entwickelt sich zu einer 140-Zeichen-Show. So kommt es mir jedenfalls vor.

    (macht Spaß, in der Zeit zurück zu klicken)

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